Kerngedanke

Kerngedanke

Neben regelmäßigen Dorffesten waren Kreistänze und Tanzbälle die Orte, wo sich junge Menschen früher kennenlernen konnten. Obwohl das Kennenlernen quasi nebenher geschah, wussten unsere Vorfahren durchaus wie man der Liebe ein wenig nachhelfen kann, ohne sich in ihre göttliche, schicksalsmäßige Bestimmung einzumischen.

Warum so ein Fest?

Obwohl sich Männer und Frauen in Alltagssituationen eigentlich häufig über den Weg laufen, sind diese Begegnungen offenbar wenig geeignet miteinander vom Herzen her in Kontakt zu treten. Oft ist es so, dass sich die Menschen innerlich abgeschottet haben, sich ungeliebt oder verletzbar fühlen, oder die Hoffnung oder das Fühlen sogar aufgegeben haben, so dass es dem Leben erschwert wird jemanden anzuziehen. An dem potentiellen Partner laufen wir womöglich regelmäßig vorbei und gewisse unsichtbare Barrieren verhindern es, sich zu erkennen.

Allein schon weil auf dem Kennenlernwochenende nur Singles anreisen, haben es die Schicksalsengel leichter als an einer Supermarktkasse, in der S-Bahn oder im Berufsalltag. Einige Voraussetzungen, ob jemand z.B. grundsätzlich offen für eine neue Partnerschaft ist oder eine ähnliche (kompatible) Lebensanschauung hat, sind von vornherein gegeben. Neben ein wenig Glück und Geduld ist je nach Typ vielleicht etwas Mut gefragt. Denn wer sich auf eine neue Liebe einlässt, muss ein Risiko eingehen. Aber überleg mal: Kein Risiko einzugehen, wäre viel zu riskant!

In früheren Zeiten gab es in unserem Kulturraum bestimmte Bräuche, um Mann und Frau zueinander finden zu lassen. Die Idee vom Fest der Liebe ist, diesen alten Bräuchen eine zeitgemäße, neue Form zu geben. Das Kennenlernwochenende soll dafür einen geschützten Raum schaffen. Alle Spiele und Tänze sind so abgestimmt, dass Nähe und Distanz in einem achtsamen Verhältnis stehen, etwa so wie bei einem traditionellen Tanzball. Noch bis in die 70er oder 80er Jahre des 20. Jhd. war es gang und gäbe sich beim Tanzen kennenzulernen. Diese freudige Art des Kennenlernens – mehr über das (Körper-)Gefühl als über den Kopf – findet besondere Berücksichtigung in der Programmplanung.

Das Fest der Liebe lässt die alten wedischen Bräuche für Partnersuchende wieder aufleben und verleiht ihnen ein neues Kleid. Um ein wenig die Stimmung wiederzugeben, die wir anstreben, hier ein Zitat aus der Romanbuchreihe „Anastasia“ von Wladimir Megre:

„Die Kinder wuchsen allmählich heran, und bald näherte sich der Zeitpunkt, an dem sie nach einem Partner fürs Leben zu suchen begannen. Um dieses wichtige Vorhaben zu unterstützen, wurden für die jungen Leute verschiedene Spiele veranstaltet. Oft trafen sich die jungen Wedrussen am Abend an vereinbarten Plätzen, meist nicht weit hinter dem Dorfrand. Sie entzündeten ein Lagerfeuer, unterhielten sich miteinander und sangen Lieder. Und ein Mal pro Woche gab es eine gemeinsame Feier, an der die Bewohner von drei oder vier Siedlungen gleichzeitig teilnahmen. Auch bei dieser gemeinsamen Feier saßen die Menschen am Lagerfeuer, sangen Lieder und unterhielten sich miteinander. Aber es wurden dabei auch Spiele veranstaltet, die den jungen Leuten halfen, die Liebsten oder den Liebsten für ihr Leben zu finden. Oberflächlich betrachtet, waren es ganz einfache Spiele, doch gerade in dieser Einfachheit war ein tiefer Sinn verborgen.“

Anastasía, Band 8.2, S.121